Imke Lang-Groth (2019)

Register

 

1. Definition des Begriffs

Unter dem Terminus Register wird in der Varietätenlinguistik eine Sprech- oder Schreibweise verstanden, die für einen bestimmten Kommunikationsbereich angemessen ist. Ein Register erfüllt eine situations- und adressat(inn)enbedingte Funktion und ist damit eng verbunden mit dem Terminus Varietät, der verstanden wird als Subsystem einer Einzelsprache, abhängig von außersprachlichen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Situation etc.
Zu Registern zählenunter anderem der Baby-Talk (auch: Infant directed speech, Motherese oder Ammensprache), eine gegenüber Babys und Kleinkindern bevorzugte Sprechweise, die sich durch kurze Sätze, bestimmtes Vokabular, vereinfachte grammatische Struktur, langsameres Sprechen und längeres Einhalten von Pausen zur besseren Verständlichkeit, erhöhte Tonhöhe, stärkere Akzentuierung und Dehnung von Vokalen zur Erregung von Aufmerksamkeit sowie Wiederholungen der benutzten Phrasen und Sätze zur Erleichterung des Spracherwerbs auszeichnet. Bsp.: „Hoppe-Hoppe-Reiter“ (ein Versspiel); „heia machen“ (für: schlafen gehen).
Diese besondere Form der Kommunikation kann sich u.a. auch gegenüber älteren Menschen z.B. mit Demenz, Nichtmuttersprachler(inne)n und Menschen mit geistiger Beeinträchtigung wiederfinden wie auch gegenüber bestimmten Haustieren. Die Aneignung und der angemessene Gebrauch von Registern ist Teil des Spracherwerbsprozesses. Jugendliche können verschiedene sprachliche Registeranwenden. Da Jugendsprache ein temporäres und transitorisches Phänomen darstellt, schwindet dieses sprachtypische Register aber in der Regel mit Eintritt in das Erwachsenenalter wieder. Jugendliche verwenden im Allgemeinen ihr sprachliches Register nur dann, wenn sie sich in ihrem eigenen sozialen Umfeld bewegen und dort für sie typisches Vokabular und typische Kommunikationsthemen wählen wie z.B. Sport, Musik, Mode oder Freizeit.

Bsp.: „Ich geh ́ chillen“ statt: „Ich ruhe mich kurz aus“.

Verschriftlichungen des sprachlichen Registers als jugendtypische Varietät finden sich in sogenannten Fanzines, das sind Zeitschriften (besser: Fan-Magazine), die sich an bestimmte Jugendszenen oder Subkulturen wenden.
Mit dem Terminus Register ist primär eine durch eine bestimmte Kommunikationssituation vorgegebene und damit auch erwartbare Form des Sprachhandelns angesprochen. Das soll heißen, dass Sprecher(innen), je nach Situation, ein jeweils anderes sprachliches Register aktualisieren. Das schließt z.B. Ort, Zeit, besondere Umstände und mögliche anwesende Kommunikationspartner(innen) mit ein.

Bsp.: Beim Fußballspiel: „Haut das Ding ́rein“ statt: „Schießt doch endlich ein Tor“.

Veränderungen innerhalb einer aktuellen Situation, wie z.B. das Hinzukommen weiterer Personen, können bei den aktiven Kommunikationspartner(inne)n die Wahl eines anderen Registers auslösen.
Bsp.: Bei z.B. Betriebsfeiern sagt man vielleicht beim Anstoßen unter Kolleg-(inn)en: „Hau ́ weg das Zeug!“, während man zum bzw. zur Vorgesetzten eher sagen wird: „Auf Ihr Wohl!“.
Ferner kann auch die Wahl von dialektalen Sprachformen einem bestimmten Register entsprechen.
Bsp.: „Ich muss das Bad feudeln“ statt: „Ich muss das Bad wischen“.
Dass Sprechende verschiedene Register wählen, ist besonders bei der Verwendung von Fachsprachenfestzustellen. Zahnmediziner(innen) z.B. wählen eine medizinische Fachterminologie bei der Benennung von Zähnen und kariösen Läsionen während einer Untersuchung.

Bsp.: „2 3/o.B., 2 4/ o.B., 2 5 c.“ heißt: „Zahn 23 ohne Befund, Zahn 24 ohne Befund, Zahn 25 hat Karies.“

Dies ist für die Patient(inn)en eher unverständlich und müsste gegebenenfalls vom Arzt bzw. der Ärztin erklärt werden – er bzw. sie zieht dann ein alltagssprachlichesRegister bzw. wechselt je nach Adressat(in) zwischen den Registern.

2. Darstellung der Forschungsdiskussion

Der Terminus Register stammt aus der englischsprachigen Soziolinguistik und ist nicht einfach vom Terminus Stil zu unterscheiden, er zeigt aber differenziertere Aspekte der Variation im Sprachgebrauch. Innerhalb eines Registerskann es jedoch unterschiedliche persönliche Stile geben.

In der Tradition der Londoner Schule ist Register in Opposition zu Dialekt und Soziolektzu sehen, diese kennzeichnen nämlich den bzw. dieSprachbenutzer(in), während Register „Varietäten abhängig vom Gebrauch“ („varieties according to use“) in bestimmten Sprachsituationen bezeichnen.

Literatur

Glück, H. & Rödel, M. (Hrsg.) (20165). Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart: Metzler.
Henne, H. (1986). Jugend und ihre Sprache. Berlin & New York: De Gruyter.
Linke , A., Nussbaumer, M. & Portmann, P.R. (2004). Studienbuch Linguistik (5., erw. Aufl.). Tübingen: Niemeyer.
Meibauer, J. (2015). Einführung in die germanistische Linguistik (3. überarb. u. aktual. Aufl.). Stuttgart: Springer.

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